Nachruf

Robert Häusser bei der Verleihung des Hasselblad-Preises, 1995.

Robert Häusser bei der Verleihung des Hasselblad-Preises, 1995. Foto: Manfred Rinderspacher

Robert Häusser verstorben

Mit dem Tode des international renommierten Fotografen Robert Häusser verliert die Fotografie einen ihrer wichtigsten Vertreter der Klassischen Moderne.

Robert Häusser wurde am 8. November 1924 in Stuttgart geboren, erhielt eine fotografische Ausbildung und lebte von 1946-1952 als Bauer auf dem Hof seiner Eltern in der Mark Brandenburg. 1953 baute er sich in seiner Wahlheimat Mannheim eine neue Existenz auf und fotografierte für Auftraggeber in vielen Ländern der Welt. Anfang der 1970er Jahre gab er sein erfolgreiches Werbestudio in Mannheim-Käfertal auf, um sich nur noch seiner freien künstlerischen Arbeit zu widmen.

Bereits als 17- und 18-Jähriger schuf er 1941/42 eine Reihe von Bildern, die Höhepunkte der neueren Fotografie darstellen. Unbeirrt von Tagesmoden entwickelte er konsequent und kontinuierlich seine eigene Formsprache und wurde im Laufe der Jahre stilbildend für die deutsche Fotografie und nachfolgende Fotografengenerationen. Für Robert Häusser war die Fotografie ein künstlerisches Medium, bei dem Inhalt und Form sich wechselseitig bedingen. Seine Bilder spekulieren nicht auf vordergründige Effekte und schnellen Konsum, sondern fordern vom Betrachter eine kontemplative Annäherung, um ihren Gehalt zu erschließen. In der bildnerischen Interpretation einer Situation werden in Häussers Arbeiten ein Mehr an Wirklichkeit und ein innerer Zustand sichtbar. In seinen Bildern hat Robert Häusser später einsetzenden Kunstrichtungen oftmals vorgegriffen.

Seine ausschließlich schwarz-weißen Fotografien sind von strenger, oft symmetrischer Tektonik. Fast grafisch heben sich die Hell-Dunkel-Flächen voneinander ab und verdichten sich zu einem suggestiv-symbolischen Ausdruck. Seine Fotos weisen in ihrer Statik und Aura eine Nähe zum Magischen Realismus auf. Wie psychische Engramme treffen sie das »subjektiv Wesentliche«. Die Inhalte sprechen oft von Melancholie und Einsamkeit und zeigen eine gedankliche Ver-wandtschaft zu Malern wie Caspar David Friedrich, Edward Hopper und Giorgio de Chirico. Das Trauma des Leidens seiner Familie in der Zeit des Nationalsozialismus findet in vielen seiner Arbeiten einen bildnerischen Niederschlag.

Robert Häussers Werk wurde mit vielen Ehrungen ausgezeichnet. 1995 erhielt er den »Internationalen Preis für Fotografie« der »Erna and Viktor Hasselblad-Foundation«, Schweden, den höchst dotierten Preis für Fotografie, der unabhängig vom Kamerafabrikat vergeben wird. Unter bedeutenden Fotografen wie Lennart Nilsson, Ansel Adams, Irving Penn, Henri Cartier-Bresson, Sebastiaõ Salgado, William Klein, Richard Avedon, Robert Frank, Cindy Sherman, Sophie Calle und Joan Fontcuberta hat er diese Auszeichnung als erster deutscher Fotograf erhalten. In der Begründung der Jury des Hasselblad-Preises heißt es u.a.: »Robert Häusser ist einer der hervorragendsten Bildkünstler der modernen Fotografie. Sein Werk kann als eine Entwicklung der Formsprache innerhalb der ‘Subjektiven Fotografie’ angesehen werden.«

Robert Häusser gilt als ein Wegbereiter der zeitgenössischen Fotografie. Er gehörte zu den wenigen international anerkannten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit, die eine unverwechselbare Handschrift entwickelt haben. Seine Bilder wurden schon in den 1950er und 1960er Jahren in Galerien und Museen ausgestellt, zu einer Zeit, als die Fotografie in Deutschland noch keinen künstlerisch autonomen Stellenwert besaß. Sein gesamter fotografischer Nachlass wie auch sein komplettes Archiv befinden sich seit 2002 in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim und werden dort vom Forum Internationale Photographie (FIP) verwaltet.

Zurzeit zeigt das Forum Internationale Photographie die Ausstellung »Robert Häusser – Im Auftrag… Fotografien aus Handwerk und Industrie«. Die Schau stellt über 100 Auftragsarbeiten in den Mittelpunkt, die Robert Häusser für verschiedene Berufs- und Industriebranchen ausgeführt hat. Die Ausstellung beleuchtet erstmalig den Auftragsfotografen. In diesen Arbeiten wird auf einzigartige Weise der künstlerische Bezug zu seinem Gesamtwerk sichtbar.

Bilder von Robert Häusser wurden bisher in über 130 Einzelausstellungen in Museen und Galerien des In- und Auslandes gezeigt.

Die Reiss-Engelhorn-Museen und die Curt-Engelhorn-Stiftung gedenken Robert Häussers in einer Veranstaltung am Mittwoch, 28. August 2013, um 11 Uhr, im Anna-Reiss-Saal des Museums Weltkulturen D5, 68159 Mannheim.