Sony World Photography Awards

Sandra Hoyns Serie »Das Verlangen der Anderen«, welche den Alltag der Sexarbeiterinnen im Kandapara Bordell in Bangladesh dokumentiert, wurde bei den Sony World Photography Awards 2017 mit dem 1. Platz in der Kategorie »Alltag ausgezeichnet.

Sandra Hoyns Serie »Das Verlangen der Anderen«, welche den Alltag der Sexarbeiterinnen im Kandapara Bordell in Bangladesh dokumentiert, wurde bei den Sony World Photography Awards 2017 mit dem 1. Platz in der Kategorie »Alltag ausgezeichnet. Foto: Sandra Hoyn

Preisverleihung

Sandra Hoyn bei den Sony World Photography Awards 2017 ausgezeichnet

Für die Sony World Photography Awards 2017 hat sich die Fotografin Sandra Hoyn kein leichtes Thema ausgesucht. Sie hat den Alltag der Sexarbeiterinnen im Kandapara Bordell in Bangladesh dokumentiert. Insgesamt leben und arbeiten dort rund 700 Frauen. Mit ihren eindringlichen Bildern hat FREELENS Fotografin Sandra Hoyn sich den ersten Platz in der Kategorie »Alltag« gesichert.

»Die Künstlerin ist vollständig in ihrer Geschichte aufgegangen«, schwärmt Jury Mitglied Francoise Callier, Programmdirektor des Angkor Photo Festival & Workshops. »Wenn ich ihre Bilder betrachte, sehe ich, dass die Menschen, die sie fotografiert hat, gar nicht mehr auf Kamera und Fotografin geachtet haben.«

Das Kandapara Bordell, Schauplatz der Gewinner-Serie »Das Verlangen der Anderen« von Sandra Hoyn, ist das älteste und eins der größten Bordelle in Bangladesh. Es wurde vor rund 200 Jahren eröffnet. Im Jahr 2014 wurde es abgerissen und dann mit der Hilfe lokaler Nichtregierungsorganisationen wieder aufgebaut.

Das Gebiet rund um das Bordell ist von einer rund zwei Meter hohen Mauer umgeben. An den schmalen Straßen in seinem Inneren gibt es Essensläden, Tee-Shops und Straßenverkäufer. Mehr als 700 Sexarbeiter leben und arbeiten dort mit ihren Kindern und Bordellwirtinnen. Viele der Frauen wurden innerhalb des Schutzes der Bordellmauern geboren. Ihre Kunden sind Polizisten, Politiker, Farmer, Fischer, Fabrikarbeiter und Teenager.

Viele der Frauen im Kandapara Bordell wurden innerhalb des Schutzes der Bordellmauern geboren. Ihre Kunden sind Polizisten, Politiker, Farmer, Fischer, Fabrikarbeiter und Teenager.

Viele der Frauen im Kandapara Bordell wurden innerhalb des Schutzes der Bordellmauern geboren. Ihre Kunden sind Polizisten, Politiker, Farmer, Fischer, Fabrikarbeiter und Teenager. Foto: Sandra Hoyn

Im Bordell herrschen eigene Gesetze und Hierarchien, die sich vollständig von den üblichen Regeln unterscheiden. Die kritischste Phase für junge neue Sexarbeiter ist der Moment, in dem sie im Bordell anfangen zu arbeiten. Sie werden dann »Bonded Girls« genannt.

Offiziell müssen Sexarbeiter im Bordell mindestens 18 Jahre alt sein. Die meisten sind jedoch deutlich jünger. Normalerweise zwölf bis 14 Jahre alt. Sie genießen keine Rechte und haben keine Freiheiten. Sie gehören der Bordellwirtin und haben Schulden. Deshalb dürfen sie das Bordell weder verlassen noch ihr Geld behalten. Sobald die Schulden abbezahlt sind, dürfen sie gehen. Obwohl Prostitution innerhalb der Schutzmauern offiziell seit dem Jahr 2000 erlaubt ist, werden die Frauen außerhalb ihres Zuhauses stigmatisiert. Deshalb entscheiden sie sich meist dafür, im Bordell zu bleiben und ihre Familien mit ihren Einnahmen zu unterstützen.

Auf ihren Sieg angesprochen, sagt Sandra Hoyn: »Es ist eine Ehre für mich, die Kategorie ›Alltag‹ bei den Sony World Photography Awards gewonnen zu haben. Das macht mich sehr glücklich. Die Sony World Photography Awards haben eine weltweite Strahlkraft. Gerade dass meine Bilder überall auf der Welt zu sehen sein werden, bedeutet mir viel. Auch wegen des Themas, das ich fotografiert habe.«

Sexarbeiter gehörten zum normalen Leben dazu, würden aber nicht wie normale Menschen behandelt. »Es ist gut, wenn die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf dieses Thema gelenkt wird. Die Lebensumstände der Menschen müssen sich unbedingt verbessern. Überhaupt wahrzunehmen, dass es Sexarbeiter gibt, ist der erste Schritt anzuerkennen, dass sie ein Recht auf ein normales Leben haben – wie jeder andere auch«, so Sandra Hoyn.

Der Belgier Frederik Buyckx wurde bei den Sony World Photography Awards mit seiner Serie »Whiteout« als »Photographer of the Year« ausgezeichnet.

Der Belgier Frederik Buyckx wurde bei den Sony World Photography Awards mit seiner Serie »Whiteout« als »Photographer of the Year« ausgezeichnet. Foto: Frederik Buyckx

Als »Photographer of the Year« wurde der Belgier Frederik Buyckx mit seiner Fotoserie »Whiteout« geehrt. »Wunderschön« nennt die Jury seine Arbeit und hofft, dass sie andere Fotografen inspiriert, die Eleganz der alltäglichen Umgebung bewusster wahrzunehmen.

»Ich bin sehr stolz, dass die Wahl auf Frederik Buyckx gefallen ist«, sagt Scott Gray, CEO der World Photography Organisation. »Ich denke, es ist oft einfacher, andere zu schockieren. Meistens ist es deutlich schwieriger, anspruchsvolle Eleganz einzufangen. Seine Bilder zeigen die Kraft der Fotografie auf besondere Weise.«

Die Fotos der Serie »Whiteout« entstanden auf dem Balkan, in Skandinavien und Zentralasien. Konzentriert hat sich Frederik Buyckx auf abgelegene Regionen, in denen Menschen weitab von städtischer Zivilisation und im Einklang mit der Natur leben. Buyckx erklärt: »Auf besondere Art und Weise verändert sich die Landschaft, wenn der Winter kommt. Wenn Schnee und Eis die Kontrolle über die Natur übernehmen, müssen Mensch und Tier sich auf das extreme Wetter einstellen. Meine Serie verfolgt diesen Kampf.«

Zu den Sony World Photography Awards 2017 wurden über 227.000 Bilder aus 183 Ländern eingereicht. Die Bilder der Preisträger werden vom 21. April bis 7. Mai 2017 in London und Ende des Jahres im Willy Brandt Haus in Berlin ausgestellt.

Informationen zu den weiteren Gewinnern und Shortlist-Kandidaten unter www.worldphoto.org