17. August bis 19. August 2012

Workshop Street Photography

Vielleicht ist es das, was der Politik heute fehlt: Einfach mal auf die Straße zu gehen, zu flanieren, Menschen zu begegnen, mal 20 Minuten vor Langeweile in einem U-Bahn Waggon den Blick schweifen zu lassen, um dann plötzlich Dinge, Menschen und Zustände zu entdecken, die einem im Alltäglichen nicht mehr auffallen, aber von hoher gesellschaftlicher Relevanz sind.

Straßenfotografie. Ein bisschen klingt es immer wie Straßenköter und entbehrt daher auch den Glanz, den Fotografie gerne vor sich herträgt. Dabei geht es in Wirklichkeit nicht um die Straße. Die Straße ist nur die Bühne, die Menschen sind die Akteure und die Stadt bildet eine eindrucksvolle Kulisse. Das Schauspiel kann zu jeder Zeit beginnen. Am Tage wie auch Nachts. Man kommt als Street Photographer dabei nicht umhin politisch zu sein, da man immer auch die gesellschaftlichen Widersprüche mit einfängt und – ob nun gewollt oder nicht – mit seinen Bildern transportiert.

Straßenfotografie kann dabei eine virtuose Kulmination fast aller Genres der Fotografie bedeuten: Reportage-, Architektur-, Mode-, Landschafts-, Stil- und Portraitfotografie.

Wie so viele Dinge ist das Genre der Straßenfotografie einer technischen Entwicklung geschuldet: der Konstruktion von kleinen, schnellen Kameras in den 30er Jahren des 20ten Jahrhunderts. Nur so war man in der Lage, die für die Bildkomposition und deren Aussagekraft so wichtige Verdichtung der verschiedensten parallel verlaufenden Stränge des gesellschaftlichen Lebens in der sprichwörtlichen Hundertstel Sekunde in einem Bild einzufangen. Doch ohne die nötige soziale Kompetenz sich im Strom der Akteure auf den Straßen, Hinterhöfen und U-Bahnen zu bewegen, bleibt Straßenfotografie nichts als Geknipse. Jedem guten Bild geht dabei das grundlegende Interesse am gesellschaftlichen Leben voraus – idealer Weise auch die Auseinandersetzung damit.

Ziel des Workshops ist es: das Gespür für Bilder und Situationen zu sensibilisieren, den Umgang mit Menschen und die Annäherung an diese zu üben und unterschiedliche Verhaltenstechniken beim Fotografieren von unbekannten Menschen in der Öffentlichkeit zu erarbeiten. Bei gemeinsamen abendlichen Diskussionen wird es dann um Editing, Bildsprache und und und gehen. Es wird den Teilnehmern und Teilnehmerinnen ein kurzer Überblick über die Geschichte der Street Photography gegeben, um daran unterschiedliche fotografische Ansätze aufzuzeigen. Themen wie Rechte und Pflichten, Themenfindung und Editing sind auch Bestandteil des Workshops.

Das Thema ist der Ort: Hamburg. Allerdings sollte jede und jeder sich ein kleines Unterthema überlegen, sodass am Schluss eine kleine Bildstrecke über Hamburg entstehen könnte. Wenn nötig, machen wir zu Beginn eine Themenfindungsrunde. Es besteht der Plan die Resultate auf einem Freelensblog zu veröffentlichen.

Der Workshop beginnt am Freitag, den 17. August und endet am Sonntag, den 19. August um 17 Uhr. An den jeweiligen Tagen ist jeweils der Beginn um 9.30 Uhr. Schluss: open end; am Sonntag: 17 Uhr. Richtet euch bitte auf lange Tage ein und bringt gutes Schuhwerk und wettergerechte Kleidung mit. Als Equipment ist alles zugelassen von der digitalen Großbildkamera bis zum Smartphone.


Andreas Herzau
Nach einer Bleisetzerlehre in Tübingen 1980-83 arbeitete Herzau als Schriftsetzer in Stuttgart. Ab 1986 Volontariat und ab 1987 Redakteur beim Hamburger Magazin konkret. 1988 bis 1990 Redakteur bei der Hamburger Rundschau. Seit 1990 freier Autor für verschiedene Tageszeitungen und Hinwendung zur Fotografie. Seither weltweite Aufträge mit dem Schwerpunkt Reportage- und Essayfotografie für deutsche und internationale Magazine und Zeitungen sowie freie Arbeiten und Projekte. 1992 Mitbegründer der Fotografengruppe »signum« und Mitglied bis zur Auflösung der Gruppe 1999. Seit 1999 Mitglied der Agentur »laif«. Tätig auch als Lehrbeauftragter und Gastprofessor.

[Update]: Die Ergebnisse des Workshops können hier angesehen werden.