Kolumbiens Weg zum Frieden

Kolumbien ist derzeit nicht aus den Schlagzeilen wegzudenken. Erst hatten kolumbianische Regierung und FARC-Rebellen einen Friedensvertrag unterschrieben, jetzt wurde er in einem Referendum von der Bevölkerung abgelehnt. Kolumbien bleibt ein gespaltenes Land. In den seit Jahrzehnten anhaltenden Konflikten zwischen Streitkräften, rechten Paramilitärs und linken FARC-Guerillas sind mehr als 220.000 Menschen getötet worden, über sechs Millionen wurden vertrieben.

Bei der Beerdigung von Daniel Coicue bildet die »Guardia Indígena« ein Ehrenspalier. Dabei halten sie ihre Bastónes in die Luft, die den unbewaffneten Widerstand symbolisieren.

Bei der Beerdigung von Daniel Coicue bildet die »Guardia Indígena« ein Ehrenspalier. Dabei halten sie ihre Bastónes in die Luft, die den unbewaffneten Widerstand symbolisieren. Foto: Jonas Wresch/Agentur Focus

Jonas Wresch ist 2008 erstmals nach Kolumbien gereist. Nach und nach hat er das Land und dessen dringliche Probleme kennengelernt. In der ausgestellten Serie präsentiert er Toribío, das viele Jahre blutiger Schauplatz des Krieges zwischen Rebellen und der Armee war. In dem kleinen Dorf, das in einer von tief eingeschnittenen Tälern und Gipfeln geprägten Berglandschaft liegt und somit als idealer Rückzugsort für die Guerillas gilt, leben die Nasa-Indios. Die Angehörigen dieser indigenen Gruppe haben sich neutral erklärt, nachdem sie jahrzehntelang zwischen die Fronten geraten waren und zahllose Opfer zu beklagen hatten. Hunderte Male ist das Dorf angegriffen worden, mehrere Male war es komplett eingenommen.

Drei der Anführer der »Guardia Indígena« sitzen am Feuer und bereiten ihr Mittagessen zu. Manuel Tumiña (rechts) wurde wenige Monate später von der Guerilla erschossen.

Drei der Anführer der »Guardia Indígena« sitzen am Feuer und bereiten ihr Mittagessen zu. Manuel Tumiña (rechts) wurde wenige Monate später von der Guerilla erschossen. Foto: Jonas Wresch/Agentur Focus

Mit seiner vielschichtigen Reportage, die auf dem diesjährigen Lumix Festival für jungen Fotojournalismus mit dem FREELENS Award ausgezeichnet wurde, führt uns der Fotograf mitten in den ungewöhnlichen Alltag der Dorfbewohner. Diese verdingen sich als Bauern und haben zum Schutz ihre eigene »guardia indígena« gegründet, die völlig ohne Waffen agiert. Ihrem Selbstverständnis nach provozieren Waffen nur Gegengewalt. So tragen die Freiwilligen dieser Garde lediglich einen Holzstock mit sich – ein Symbol für Autorität und Frieden. Jonas Wresch ist das eindrucksvolle Porträt einer Gemeinschaft gelungen, die trotz aller äußeren Widrigkeiten unermüdlich an ihrem größten Ziel festhält – ein Leben in Frieden.