MAGAZIN #18

Fotos für El Salvador

Ein Land sucht sein visuelles Gedächtnis: Der Aufbau einer Fotothek für El Salvador ist auf internationale Hilfe angewiesen.

Text –

Cordelia Dilg

Bislang wurde der Fotografie in El Salvador keine große Bedeutung zugemessen. Vor allem Bilder aus den Anfängen der Fotografie sind kaum archiviert, und es ist auch nicht so, dass man ohne Mühe die Nachlässe großer FotografInnen fände. Leider muss man davon ausgehen, dass eine Menge Material als »Schrott« weggeworfen wurde, während gleichzeitig – um sie zu retten – historisch wertvolle Fotos ins Ausland gebracht wurden, wo sie bis heute aufbewahrt sind.

Seit den Erdbeben vom Frühjahr 2001 ist die Bedeutung der Fotografie als Zeugin der Geschichte in El Salvador jedoch wieder stärker ins Bewusstsein getreten. Vergessene Fotos in Bibliotheken, Archiven und privaten Alben werden seitdem mit größerem Interesse gesichtet und archiviert. Aus Sorge um die Dokumente der Geschichte haben die wichtigsten privaten und staatlichen Bibliotheken und Archive einen Verein gegründet, der sich darum kümmert, historische Dokumente wie Schriftstücke, Bücher, Landkarten und Fotos vor Verfall und Vergessen zu retten und zugänglich zu machen.

Noch aber gilt es, das vorhandene Bildmaterial detektivisch aufzuspüren, egal ob im Land selbst oder außerhalb. Diese Bilder fehlen in El Salvador; ohne sie kann weder eine repräsentative Sammlung salvadorianischer Fotografie entstehen noch eine Fotosammlung zur Geschichte des Landes. Die Suche ist grenzüberschreitend, denn auch ausländische FotografInnen haben die Geschichte des Landes dokumentiert.

Doch das Material soll nicht nur museal verwahrt werden oder gar in dunklen Magazinkellern verschwinden: Langfristig will der Verein eine Fotothek aufbauen und die bekannten und neu entdeckten Fotografien als virtuelle Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Das Kulturhaus Lateinamerika e.V. in Köln hat jetzt eine Kampagne gestartet, die den Verein in El Salvador unterstützen soll. Es will in der Bundesrepublik Material sammeln und nach El Salvador weiterleiten, denn sicherlich gibt es auch in Deutschland Zeugnisse der Geschichte salvadorianischer Fotografie oder fotografische Zeugnisse der salvadorianischen Geschichte.

Konkret gesucht werden Fotografien von salvadorianischen oder anderen FotografInnen (Dia, Print oder Scan), die Informationen zu Kultur und Geschichte des Landes enthalten, auch Postkarten, Plakate u. a. Fotodrucke. Besonders interessant sind Bilder, die vor den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden sind, ferner künstlerische Fotografie von Fotografinnen und Fotografen aus El Salvador sowie Hinweise auf Bestände und Sammlungen in Institutionen oder an anderen Orten und schließlich Informationen über die Arbeit salvadorianischer Fotografen und Fotografinnen, vor allem aus den Anfängen der Fotografie.

Eine Bezahlung der zur Verfügung gestellten eigenen Fotos ist leider nicht möglich, aber die Beachtung der Urheberrechte wird zugesichert – das Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Ziele.

Wer Bildmaterial zur Verfügung stellen will, sollte bitte – soweit möglich – detaillierte Beschreibungen der Fotografien mit Angaben zu Autor/in, Inhalt, Datum, Quelle separat mitliefern.

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Cordelia Dilg
ursprünglich Lehrerin und Sozialarbeiterin, Mitbegründerin der taz; kurze Zeit Redakteurin, Beginn fotografischer Arbeit. Zahlreiche Reportagen aus Mittelamerika. Lebt in Köln und San Salvador