MAGAZIN #11

»Wir sind nicht zum Schockieren da, sondern zum Informieren«

Einsätze im Kongo und in Algerien. Zwölf Jahre Saigon als AP-Cheffotograf für Südostasien. Pulitzer-Preise für Bilder aus Vietnam und Bangladesh – seit fast 40 Jahren ist Kriegsfotografie für Horst Faas Alltag. Erst hinter der Kamera, jetzt am Monitor: Auch als Photo Editor bei AP in London beeinflusst er unser Bild vom Krieg. Ein Porträt

Text –

Kay Dohnke

Wird man Kriegsreporter, weil man Französisch spricht? Fotograf, weil man Bilder sortiert? Horst Faas führten scheinbar solche äußeren Zufälle zu seinem Beruf. Denn ursprünglich hatte er mit Fotografie eigentlich nichts im Sinn, keinen Gedanken ans Bildermachen im Krieg verschwendet. Doch dann fand er sich zwischen Bergen von Abzügen wieder – und das sollte der erste Schritt werden.

BEGEGNUNGEN MIT BILDERN

1951 sucht Keystone in München Leute, um das Bayrische Pressebildarchiv neu ordnen zu lassen. Genau der richtige Job für den Abiturienten Horst Faas, der auf einen Platz an der Journalistenschule wartete, um Reporter zu werden.

Tausende, zehntausende Fotos gingen dem 18-jährigen nun durch die Hände, durcheinandergeworfen von den Amerikanern bei der »Denazifizierung« des Archivs. Für Faas wurde es der Einstieg in den Bildjournalismus. »Ich habe über das Sortieren und Angucken hinaus gelernt, wie man Bilder beurteilt, wie man ein Bild verwenden kann, wie es geschnitten und komponiert sein muss. Der Blick wurde geschult, das war das Allerwichtigste.«

Bald kam Dunkelkammerarbeit und eigene Praxis hinzu. Mit der Rolleicord seines Vaters fotografierte Faas Kirchenkunst, den Bamberger Reiter, das zerstörte Würzburg. Schon während der anschließenden Assistenz bei einem älteren Kollegen machte er immer häufiger Fotos für Keystone. Was zählte, war Tempo – wenn er nämlich zum Bahnhof rannte, die Bilder zu den Zügen brachte, damit sie pünktlich bei den Zeitungen ankamen.

Faas arbeitete sich hoch: Fotografierte den 17. Juni 1953 in Berlin. Fuhr 1954 auf seiner Vespa zur Indochina-Konferenz nach Genf, dokumentierte dort später das Treffen zwischen Eisenhower und Chruschtschow. Ging dann als fester Fotograf ins neue Keystone-Büro nach Düsseldorf. 1956 wurde Faas bei der Associated Press in Bonn der Nachfolger von Rolf Gillhausen. Viereinhalb Jahre Bundeshauptstadt, das hieß Parlamentsdebatten, diplomatische Empfänge, politischer Alltag. »Bonn war eigentlich eine gute Zeit, denn man hatte noch ein persönliches Verhältnis zu den Politikern. Die haben uns akzeptiert, und wir haben die akzeptiert.«

IN DEN KONGO

1960 war Bonn für Faas nur noch Routine. Die Wirtschaftswundermaschine Deutschland lief glatt und sicher. In anderen Weltteilen herrschten damals jedoch Turbulenzen: Algerien und der Kongo kämpften für ihre Unabhängigkeit. Zufällig sah Faas dann ein Telex: Da es dort unten für französische Fotografen immer gefährlicher wurde, suchte AP einen Nicht-Franzosen, der aber die Sprache beherrschte und in den Kongo gehen wollte. Faas meldete sich, bekam den Job, fand sich kurz darauf im Chaos von Leopoldville wieder. Aus Bildern über die Nachkriegszeit wurden nun Bilder vom Krieg, von Politik mit anderen Mitteln.

Anfangs dachte Faas, der Kongo-Job, die Stippvisite in eine andere Welt dauere nur ein paar Wochen. Doch das Land blieb unruhig: Mord an Lumumba, die Abspaltung Katangas, wieder Krieg. Bald war Faas schon eineinhalb Jahre im Kongo. Zwei Dinge machte er von Anfang an richtig: Hielt sich an erfahrene Leute, die schon lange im Land lebten, begleitete sie, bis er die Hintergründe verstand und ein eigenes Gefühl für die Situation bekam. Und er achtete auf ein gutes Leben: »In Leopoldville habe ich mich gut eingerichtet in einer komfortablen Wohnung. Wenn Leute sagen, das muss da doch die Hölle gewesen sein, sage ich: Nein, das Essen ist überall gut, auch im Kongo.« Saloppe Worte für einen wichtigen Selbstschutz: Faas schuf sich ein Gegengewicht zum Krieg, blieb inmitten aller Wirren zivilisiert.

Der junge Deutsche beobachtete im afrikanischen Krieg mehr, als auf seinen Fotos zu sehen ist. Menschenwürde ging über Voyeurismus, die Informationspflicht stürzte nicht ab in Sensationslust. »Die Regeln, nach denen man sich dabei richtet, kommen nicht aus der Fotografie, sondern aus den ethischen Auffassungen. Man muss nicht unbedingt Voyeur sein! Muss man unbedingt jemanden im dem Moment fotografieren, wenn er stirbt? Dem da die Kamera vor die Augen halten und warten, dass sein Gesicht sich vor Schmerzen verzerrt? Das sind Fragen, die allein der Fotograf beantworten kann: Mache ich das Bild oder nicht, gebe ich es weiter oder nicht.«

VON KRIEG ZU KRIEG

Als Faas Ende 1961 aus dem Kongo nach Hause kam, war sein Job in Bonn besetzt. Seine Alternative: der nächste Auslandseinsatz. Associated Press brauchte erneut einen Fotografen, der Französisch sprach – nun für Algerien. Auch dort: Unruhe, Kämpfe, Chaos. Araber gegen Franzosen, Franzosen gegen Franzosen, Araber gegen Araber. Täglich passierten auf offener Straße Morde. Faas machte sich also wieder auf in den Süden.

In Algerien trug er demonstrativ die Kamera um den Hals, gab sich als Fotograf zu erkennen. Bilder machte er nur, wenn kein Risiko bestand: Nach den Schießereien, nach den Militäreinsätzen. Seine Arbeit funktionierte im Rahmen einer Rolle: Bald holte man ihn sogar im Hotel ab und führte ihn zu den Schauplätzen der Gewalt. Später, wenn es opportun und politisch gewünscht war. Dann durfte er fotografieren. Doch Faas verstand auch sehr schnell, wann man besser keine Bilder machte. Fotos entwickelte er im Hotelbadezimmer, ging dann zur Post und übertrug sie per Telefonleitung nach Paris. Manchmal traf er dort jedoch auf Leute, die sich die Abzüge vorher anschauten. Dann hieß es »tres bon« – oder sie wurden zerrissen. Algerien hatte eigene Regeln, wie jedes Land im Krieg.

Wie stellt man sich auf den ersten Einsatz im Krieg ein? »Es gibt kein Rezept dafür«, sagt Faas. »Man bereitet sich darauf vor, indem man erst einmal die Sache verstehen muss, warum dort etwas passiert. Es ist eine Verpflichtung des Journalismus und des Fotojournalismus insbesondere, die Dinge so zu schildern, dass sie verstehbar sind und klar gezeigt werden. Wir sind aber nicht dazu da, Partei zu ergreifen. Das Wichtigste, um sich abfinden zu können mit den Dingen, die man ab und zu sehen muss, ist eine gewisse Reife. Wenn jemand sich nicht auskennt in der Welt oder nicht vorbereitet ist für so was, sollte er einsehen, dass er nicht in den Kongo oder eine Situation wie in Bosnien oder im Kosovo gehen kann, ohne sich selbst sehr zu gefährden – nicht nur physisch, sondern auch psychisch.«

NACH VIETNAM

Faas’ zweiter Kriegseinsatz in Afrika endete schon bald – ein anderer Konflikt zog das Interesse der Weltpresse auf sich: Bürgerkrieg in Laos; Kennedy schickte im Mai 1962 Marines nach Thailand. Horst Faas flog zuerst nach Vientiane, wurde im Juni nach Saigon versetzt. Und er sollte insgesamt zwölf Jahre dort bleiben, in Vietnam, dem Land des Lotus, des guten Essens und der schönen Mädchen – so jedenfalls hatte man ihm davon vorgeschwärmt. »Für mich war das eigentlich Neugierde und der alte Trieb, in der Welt rumzukommen. Wenn man zwei, drei Monate lang von Franzosen und Legionären hört, was für ein Paradies Indochina war, und man hat eine Chance, da hinzukommen, fährt man auch hin.« Über den Ernst der Situation machte er sich aber keine Illusionen.

Vom Konfliktherd Vietnam nahm die Welt damals noch kaum Notiz. Vordergründig bestimmten Unruhen und kleinere Kämpfe das Bild, tatsächlich liefen jedoch Vorbereitungen für einen großen Krieg. Zusammen mit einer Hand voll internationaler Fotografen und Journalisten – unter ihnen Larry Burrows, Kyoichi Sawada, Henri Huet, Peter Arnett – machte Faas das Land in den kommenden Jahren bekannt. »Wir haben eigentlich Vietnam als optische Story in das Bewusstein der Welt gebracht. Wir haben es nicht aufgebaut, indem wir grausame Bilder machten, die die Leute schockieren. Hauptsächlich sind wir rausgegangen und haben versucht, in Bildern und Reportagen auszudrücken, was da eigentlich los ist.«

Wie war das Leben für einen Kriegsfotografen in Vietnam? Zwei Bilder, zwei Vorstellungen kollidieren: Vietnam, die exotische Journalisten-Idylle für Draufgängertypen versus Vietnam als Hölle, die die Seelen zerstört. Wie schon im Kongo und in Algerien schaffte Faas sich ein zweites Leben neben dem ersten, ein privates neben dem beruflichen. Zusammen mit seiner Frau wohnte er in einem komfortablen Haus, beschäftigte sich mit Geschichte und Literatur, sammelte Antiquitäten. »Fotografieren ist nur ein Job. Man soll sich nicht zu sehr in die Sache oder die Probleme der einen oder anderen Gruppe verstricken lassen. Natürlich nimmt man Stellung ein, natürlich hat man seine emotionalen Schwankungen. Doch wenn man ein Verteidiger einer Gruppe oder einer Idee wird, dann wird’s gefährlich. Aber wenn man sich da etabliert und für andere Dinge interessiert, wird der Beruf tatsächlich zum Beruf.«

STORIES UND KOLLEGEN

1965, als die Amerikaner zehntausende Soldaten nach Vietnam schickten, war Horst Faas bereits ein alter Hase. Warum er es dort so lange aushielt? Die Antwort verrät den Profi: »Es war einfach die beste Story, die die Welt zu jener Zeit für einen Journalisten zu bieten hatte. Man wurde überall gedruckt. Das Beste ist immer eine Geschichte, die interessant ist und sich schnell bewegt, die weltweit Aufsehen erregt und gedruckt wird und wo wirklich ein Bedarf besteht. Und von der man etwas versteht. Nach drei Jahren hatte ich natürlich das Land in meiner Tasche.« Außer den Fotos erschienen in Amerika und Deutschland daher auch zahlreiche Artikel von Horst Faas.

Den GIs folgte ein Tross von Medienleuten, Korrespondenten und Fotografen aus aller Welt. Faas traf angesehene Kollegen, begegnete vielen jüngeren Journalisten, die für den Einsatz in Vietnam ausgesucht wurden. Außerdem kamen immer wieder Leute, die davon gehört hatten, dass man Bilder verkaufen könne: »Es gab viele, die wirklich wenig Ahnung von Fotografie hatten und noch weniger von Berichterstattung. Aber sie waren jung und physisch belastbar, und sie hatten den richtigen Spirit, da Bilder zu machen.«

Neben der eigenen Arbeit draußen im Land betreute Faas – inzwischen AP-Cheffotograf für Südostasien – die anderen AP-Kollegen, kümmerte sich um ihre Versicherungsverträge, organisierte Filmmaterial, den Ersatz für kaputte Kameras. Außerdem kaufte er für Associated Press Bildmaterial fremder Fotografen an. »Meine Politik war, dass wir von jedem Bilder genommen haben, solange wir wussten, dass die Bilder das zeigten, was sie vorgaben – dass sie nicht gestellt waren, sondern aktuell und nicht schon drei Tage alt. Stringer, Freelancer, sogar Rotkreuz-Mitarbeiter kamen und verkauften uns ein paar Bilder. Wenn die Leute was anbrachten, was zweifelhaft war, haben wir es nicht verwendet. Wenn die Fakten nicht stimmen, hat das für eine Agentur wie AP gewaltige Auswirkungen; wir können uns das einfach nicht erlauben. Vietnam war von Anfang an ein sehr kritisch beurteiltes Thema.«

ROUTINE, GEFAHREN

Und dann zog Faas immer wieder selbst mit der Kamera los. Dank seiner langjährigen Kontakte zu den Militärs kam er überall hin. Fotografierte Napalmeinsätze, Gasangriffe, die Palastrevolte gegen den Präsidenten. Und er kam, trotz aller Vorsicht, in gefährliche Situationen. »Jeder, der rumrennt, wenn geschossen wird, ist ein absoluter Idiot. Wenn geschossen wird, kann man sich nur in ein Loch verkriechen oder sich so flach wie möglich hinlegen und den Kopf runtertun. Das Problem beginnt aber, wenn eine Einheit ihre Position verlegt – dann muss man mit. Man kann nicht sagen, ich hab jetzt genug, ich geh nach Hause. Das ist die Gefahr gewesen in Vietnam, wenn man mit Soldaten im Dschungel war und die Einheit musste schnell weg. Denn dann schossen die Feinde, mit Mörsern und Artillerie, und sie setzten Scharfschützen ein. Da zählte es dann, dass man sich nachts nicht die Schuhe ausgezogen hatte, dass man sofort rennen konnte und nicht erst sein Zeug zusammensuchen musste, dass die Kameras alle da waren. Nicht, um Bilder zu machen – sondern um rauszukommen.«

Doch Vorsicht ist in einem Krieg keine Sicherheitsgarantie; einmal wurde Faas durch Granatsplitter schwer verletzt. Andere traf es weit schlimmer: Immer wieder musste sich Faas um Kollegen kümmern, die dem Krieg zum Opfer fielen – darunter sehr erfahrene, sehr vorsichtige Kollegen. »Es war jedesmal ein großer Schock, wenn so was passiert ist, aber irgendwie hat man sich dann in seine Arbeit verbissen und versucht, nicht mehr darüber zu reden. Man musste das Emotionale ein bisschen unterdrücken. Wenn wir jemanden verloren hatten, waren wir es natürlich den Verwandten, Freundinnen, Frauen schuldig, dass wir zumindest rausgingen an den Schauplatz und nicht nur am Flugplatz den Plastiksack abholten.«

Über seine eigene Arbeit, die Erlebnisse seiner zwölf Jahre in Südostasien spricht Horst Faas nur wenig. Zwei Mal bekam er einen Pulitzer-Preis, 1965 für ein Foto aus Vietnam, 1972 zusammen mit Michel Laurent für Aufnahmen aus Bangladesh. Sie zeigt, wie Männer mit Bajonetten erstochen werden. »Es war eine sehr, sehr schwierig Sache, da zu fotografieren. Mir haben die Hände so gezittert, dass ich den Film nicht rausnehmen konnte. Aber ich wusste, das sind Bilder, die sind am nächsten Tag überall in den Zeitungen. Das ist eine sehr verführerische Sache für einen Fotografen, manchmal genau zu wissen, dass das, was er jetzt tut, morgen überall gedruckt wird und auch seine Karriere voranbringt.«

BILDER MAKELN

Seit 1976 ist Horst Faas bei der Associated Press in London und heute als »photo editor« für Europa, Afrika und den Mittleren Osten zuständig. Waffen, Ruinen, Tote – das alles ist jetzt auf Monitore verbannt. Der Krieg kommt jeden Tag ins Büro. »Ich habe in London angefangen mit der Vorstellung, dass ich von der Fotografie draußen vielleicht doch ein bisschen mehr weiß als die anderen Fotochefs, die schon lange am Schreibtisch sitzen. Und ich habe mir eingebildet, dass ich Verbesserungen machen kann, fort von der Bürokratie und mehr hin zur Reportage.«

Doch bald holte ihn das Management ein: Überalterte Technik, zu kleine Budgets, Dunkelkammerprobleme, falsche Übertragungsgeräte. Das kannte Faas aus eigener Praxis nur zu gut. »Wir haben alle mit den gleichen Schwierigkeiten gekämpft, hatten nie das richtige Arbeitsgerät. Wir sind nie unsere Bilder losgeworden – weder zum richtigen Zeitpunkt noch in der richtigen Qualität, wie wir sie produziert haben. Erst heute ist die Übertragungstechnik ausgereift. Jetzt kann man sich wieder aufs Thema konzentrieren, aufs Bild selbst.«

Zumindest als Fotograf – angesichts hunderter Fotos, die täglich eintreffen, bleibt dem Redakteur in der Agentur nur wenig Zeit pro Aufnahme. »In den Zeiten, als wir weniger Bilder hatten, haben wir uns um jedes Bild gekümmert und mehr Einfluss genommen. Heute müssen wir uns viel mehr auf den Fotografen verlassen. Wer immer der Fotograf ist, ob ein Freelancer oder ein Staffer, ein alter oder ein junger, der hat heute mehr Kontrolle über sein Produkt als je zuvor. Es ist die Rolle eines Redakteurs, zu korrigieren und aufzupassen, dass nicht zu viel vom Gleichen läuft und dass alles richtig ist und die Namen stimmen und der Ausschnitt der wirksamste ist. Und die Hauptaufgabe im Management ist, darauf zu achten, dass das Niveau, wie wir es gern hätten, gehalten wird, indem man Korrekturen vornimmt, sobald man sieht, dass es nicht ganz richtig ist.«

FOTOGRAFEN UND KRIEG

Fast vierzig Jahre lang hat sich Horst Faas nun schon mit Bildern aus dem Krieg befasst und dabei vor allem auch die Menschen mit den Kameras kennengelernt. Warum ziehen Fotografen heute in den Krieg? »Viele Leute sind nach Vietnam gegangen, weil man damals einfach nicht ernst genommen werden konnte als überregional tätiger Journalist, wenn man dort nicht gewesen war. Genau wie heute: Leute fliegen in Gegenden wie Sudan, Ruanda und Kosovo, um das in ihrem Portfolio zu haben. Das ist Karriereplanung; es kann ernst genommen werden oder nicht, aber es ist eine Tatsache. Und wir haben massenhaft Leute, die da freiwillig hingehen wollen.«

Und wie ergeht es einem Fotografen im Krieg? Faas’ jahrzehntelange Erfahrung lässt ihn ein sehr nüchternes Fazit ziehen. »Ich habe nie gern Fotografen gehabt, die zurückkommen und Mordsgeschichten erzählen, wie schlimm es war. Mitgefühl ist bei Fotografen wichtig, um gute Bilder zu machen, aber es ist zugleich eine private Angelegenheit. Und ich bin immer etwas vorsichtig mit Fotografen, die zu intensiv bei der Sache sind, die also sagen: ,Ich bin die Story, ich lebe die Story, ich lächle nicht, und lachen tu ich schon gar nicht.‘ Ich sehe das an den Bildern – die Leute, die reif sind, machen bessere Fotos. Die setzen alles ein bisschen in Perspektive und haben Aufnahmen dabei, die nicht nur Horror und Schrecken zeigen. Man muss da auch an die Leser denken – wir sind ja nicht zum Schockieren da, sondern zum Informieren.«

HORST FAAS
*28.04.1933, arbeitete 1951 – 1960 für Keystone und AP in der BRD, dann Einsätze im Kongo und in Algerien. 1962 – 1976 in Saigon, als AP-Cheffotograf viele Einsätze in Südostasien. Seit 1976 bei AP in London.

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Kay Dohnke
freier Journalist in Hamburg, ist Mitarbeiter der FreeLens-Redaktion. Er führte das Gespräch mit Horst Faas im Juni 1999 in London.