Hansel-Mieth-Preis 2017

Laith Majid Al Amiri (Mitte), seine Frau Nada Adel Marasma und ihre Kinder Ahmed, Nour und Taha picknicken im Oktober 2016 in der Nähe des Tigris, Bagdad. Die Familie, die 2015 über Kos nach Deutschland geflohen war, kehrte Anfang 2016 aus familiären Gründen zurück in die Heimat.

Laith Majid Al Amiri (Mitte), seine Frau Nada Adel Marasma und ihre Kinder Ahmed, Nour und Taha picknicken im Oktober 2016 in der Nähe des Tigris, Bagdad. Die Familie, die 2015 über Kos nach Deutschland geflohen war, kehrte Anfang 2016 aus familiären Gründen zurück in die Heimat. Foto: Daniel Etter

Auszeichnung für herausragende engagierte Reportagen

Der Hansel-Mieth-Preis 2017 geht an Daniel Etter (Text und Fotos) für seine Reportage »Ein kurzer Traum« (SZ Magazin). Etter suchte eine Flüchtlingsfamilie, die er im August 2015 bei ihrer Ankunft auf der griechischen Insel Kos fotografiert hatte, noch einmal auf – und erzählt in seiner berührenden Reportage, warum die Familie nun wieder ganz am Anfang steht.

Für den Hansel-Mieth-Preis, der dieses Jahr zum 19. Mal verliehen wird, wurden 102 Bewerbungen eingereicht. Er ist mit 6000 Euro dotiert. Die Agentur Zeitenspiegel Reportagen erinnert mit dem renommierten Preis an ihr 1998 verstorbenes Ehrenmitglied Johanna »Hansel« Mieth, die sich als Fotoreporterin für das amerikanische Magazin LIFE sozialen Themen widmete. Er würdigt herausragende engagierte Reportagen – Text und Fotos werden dabei gleichermaßen bewertet.

Eine Nuba-Rebellen-Patrouille am Guru-Hügel, Sudan. »Das Gift des Krieges« beschäftigt sich mit dem Kampf der Nuba gegen die Soldaten des Regimes, gegen den Hunger und einen seltsamen Rauch, der die Menschen verletzt.

Eine Nuba-Rebellen-Patrouille am Guru-Hügel, Sudan. »Das Gift des Krieges« beschäftigt sich mit dem Kampf der Nuba gegen die Soldaten des Regimes, gegen den Hunger und einen seltsamen Rauch, der die Menschen verletzt. Foto: Armin Smailovic

Folgende Reportagen wurden ebenfalls ausgezeichnet:

  • »Das elende Leben« (Stern) von Jan Christoph Wiechmann und Peter Bauza
  • »Das Gift des Krieges« (Zeit Magazin) von Wolfgang Bauer und Armin Smailovic
  • »Die frohe Botschafterin« (SZ Magazin) von Tobias Haberl und Matthias Ziegler
  • »Hier herrscht Klassenkampf« (Die Zeit) von Caterina Lobenstein und Ina Schoenenburg
  • »In Molly’s Pinte« (Stern) von Nora Gantenbrink und Andy Spyra
  • »Kindeskind« (Süddeutsche Zeitung) von Nadia Pantel und Jana Euteneier
  • »Liebeskrank« (SZ Magazin) von Christoph Gurk und Josu Trueba Leiva
  • »Stiefvater Staat« (Der Spiegel) von Dialika Neufeld und Djamila Grossman
  • »Wer rettet Klara?« (Die Zeit) von Nicola Meier und Kathrin Harms

 

Klara (5) schaut sich im Spiegel in ihrem Kinderzimmer an. Sie leidet an der seltenen Krankheit Neuronale Ceroid-Lipofuszinose, auch Kinderdemenz genannt.

Klara (5) schaut sich im Spiegel in ihrem Kinderzimmer an. Sie leidet an der seltenen Krankheit Neuronale Ceroid-Lipofuszinose, auch Kinderdemenz genannt. Foto: Kathrin Harms / Fotografin

Alles ausgezeichneten Reportagen werden im Sammelband »Hansel-Mieth-Preis 2017« (Schwoerer Verlag) veröffentlicht. Das Buch kann bei Zeitenspiegel Reportagen (agentur -ät- zeitenspiegel.de) vorbestellt werden.

Der Hansel-Mieth-Preis digital, der ebenfalls mit 6000 Euro dotiert ist, geht an Christina Schmidt (Text) und Maria Feck (Fotos) für ihre Multimedia-Reportage »Schweigen ist Tod« über die hohe Selbstmordrate unter jungen Grönländern. Die Reportage wurde im März 2016 in der Digital-Ausgabe des Spiegel veröffentlicht.

Die »Saufziegen« in Molly's Pinte. Wanne-Eickel, 1. Oktober 2016.

Die »Saufziegen« in Molly's Pinte. Wanne-Eickel, 1. Oktober 2016. Foto: Andy Spyra

Das Gabriel-Grüner-Stipendium, das an den Stern-Reporter Gabriel Grüner, der 1999 zusammen mit dem Fotografen Volker Krämer und dem Übersetzer Senol Alit im Kosovo ermordet wurde erinnert, geht 2017 an Nicole Graaf (Text) und Sudharak Olwe (Fotos). Das Team plant eine Reportage über einen studierenden Müllmann in Mumbai. Die Autorin und der Fotograf erhalten für ihr Vorhaben neben 6000 Euro ein zweimonatiges Residenzstipendium der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart.

Clinton Osafoh, 15, kam als Kind nach Deutschland und weiß nicht, wer seine leiblichen Eltern sind. Er wohnt in einem betreuten Wohnprojekt für Jugendliche in Niebendorf in Brandenburg.

Clinton Osafoh, 15, kam als Kind nach Deutschland und weiß nicht, wer seine leiblichen Eltern sind. Er wohnt in einem betreuten Wohnprojekt für Jugendliche in Niebendorf in Brandenburg. Foto: Djamila Grossman

Den Gabriel-Grüner-Schülerpreis für Südtirol, den Zeitenspiegel Reportagen 2017 zum dritten Mal gemeinsam mit dem Bildungsausschuss Mals und dem Südtiroler Wochenmagazin ff verleiht, erhalten Jasmin Angler und Sara Wegleiter für »I glab i bin zu deitsch«, eine Reportage über die vielen Facetten der deutsch-italienischsprachigen Doppelidentität Südtirols.

Die Verleihung der Hansel-Mieth-Preise findet am Mittwoch, den 3. Mai 2017 um 19 Uhr im Rathaus Fellbach (bei Stuttgart) statt. Das Gabriel-Grüner-Stipendium und der Schülerpreis werden am Donnerstag, den 1. Juni 2017 um 19 Uhr in Gabriel Grüners Geburtsort Mals (Südtirol) übergeben.