Die Geschichte hinter dem Bild

Aus der Serie »Checkpoint Charlie«.

Aus der Serie »Checkpoint Charlie«. Foto: Michael Jungblut

Michael Jungblut

Checkpoint Charlie

TEXT– KAY MICHALAK

Dieses gleißende Gegenlicht, diese wunderbare konzentrierte Schärfe auf den fotografierenden Mann, der fast steht wie eine Statue, fesseln immer wieder meinen Blick auf dieses Bild. Ein wenig habe ich manchmal den Eindruck, ich schaute in einen Spiegel.

Es ist ein Bild aus der Serie »Checkpoint Charlie« des Fotografen Michael Jungblut. »Ich habe mich immer gefragt, was die ganzen Touristen da wollen, an diesem Ort mitten in Berlin. Denn an diesem Ort ist ja eigentlich nichts – nur eine Bretterbude mit drei Schauspielern.«

Regelmäßig besuchte Jungblut den ehemaligen Grenzübergang, immer mittags gegen 12 Uhr. »Da scheint die Sonne genau die Friedrichstraße runter und ich habe dieses Gegenlicht, welches die ganze Szenerie in dieses besondere Licht taucht. Busladungen von Touristen werden ausgeschüttet, der Fremdenführer sagt sogar, die Bude brauchen sie nicht zu fotografieren, das sind nur Schauspieler.«

Die Menschen bekommen meistens zwanzig Minuten Zeit, fotografieren sofort los und alles um sich herum. »Ich habe mich immer gefragt, was die Leute da eigentlich fotografieren, denn an diesem Ort ist alles Imagination, alles beruht auf der Vorstellungskraft der Besucher, alles wird hochstilisiert.«

Er selber stelle sich aber ja auch nicht ohne Fotoapparat an den Checkpoint Charlie, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Berlin. »Man kann hemmungslos fotografieren, denn alle fotografieren ja auf dieser absurden riesigen Bühne. Man sieht halt, wie der Mensch so ist, ich will mich gar nicht darüber lustig machen. In der Serie fiel mir dann dieser Mann auf, der irgendetwas Besonderes an sich hatte, durch seine Kleidung, durch seine Haltung. Eigentlich ein klassischer Tourist, aber irgendwie anders… Er erinnerte mich an die Figur des Monsieur Hulot von Jacques Tati.«


Michael Jungblut
wurde, wie er selber sagt, gezwungen, Fotograf zu lernen, machte seinen Gesellenbrief als Werksfotograf bei Volkswagen. »Bis dahin hatte ich noch nie einen Fotoapparat in der Hand.« Er hat Psychologie bis zum Diplom studiert, war 15 Jahre lang Berufsmusiker, hat als Möbelpacker gearbeitet und fand vor 20 Jahren wieder zur Fotografie. Michaels Arbeitsschwerpunkte sind in der Werbung, Porträt, Architektur, Unternehmenskommunikation und Reportage. Er lebt in Berlin.

www.michaeljungblut.de