Rückblende 2015

Geflüchtete warten am Grenzübergang bei Šentilj, Slowenien im sogenannten Niemandsland, um nach Spielfeld, Österreich eingelassen zu werden.

Geflüchtete warten am Grenzübergang bei Šentilj, Slowenien im sogenannten Niemandsland, um nach Spielfeld, Österreich eingelassen zu werden. Foto: Christian Mang

Preisverleihung

Drei FREELENS Fotografen bei der 32. Rückblende ausgezeichnet

Das Jahr 2015 war kein leichtes – das lässt sich anhand der ausgestellten Fotos in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz unschwer erkennen. Die Terroranschläge in Paris, die Krise in der Ukraine, nicht endende Flüchtlingsströme quer durch Europa, der Dieselskandal bei VW oder Korruption beim DFB sind nur einige der Themen, die 216 Fotografen und 59 Karikaturisten beim Wettbewerb zum deutschen Preis für politische Fotografie und Karikatur eingereicht wurden.

Aus insgesamt 1023 eingereichten Arbeiten musste die Jury das Siegerfoto auswählen – und traf in diesem Jahr eine ungewöhnliche Entscheidung. Das Gewinnerfoto sieht fast aus wie ein Gemälde und auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, was für eine Situation darauf zu sehen ist.

Die Jury-Vorsitzende Heike Raab, Staatssekretärin und Chefin der rheinland-pfälzischen Landesvertretung, erklärte in ihrer Laudatio, warum gerade dies die Besonderheit des Fotos ausmache: »Sie fangen an, sich in das Bild hineinzudenken. Einer von der Jury sagte dann: Das ist episch. Und auf einmal sagte jemand: Das erinnert mich an ein Gemälde von Jan Brueghel. Und dann fingen wir an zu diskutieren und jedem fielen Geschichten ein, die er gelesen, die er gesehen hatte und ich darf ganz herzlich gratulieren: Christian Mang!«

Der freie Fotojournalist Christian Mang war im November schon seit ein paar Tagen an der österreichischen Grenze, bevor es zu der preigekrönten Aufnahme der campierenden Flüchtlinge im Niemandsland zwischen Slowenien und Österreich kam. Er erklärt auf der Preisverleihung, dass das Foto eher aus Verlegenheit entstanden ist: »Ich war eigentlich ziemlich frustriert, ich war schon mehrere Tage da, habe von Kollegen gehört, dass man mit Glück immer mal wieder eine Lücke findet, um ins Niemandsland reinzuschlüpfen, aber das ging zu der Zeit gar nicht. Ja, und ich war dann doch ziemlich froh, diese Perspektive noch zu entdecken.«

Liebe ist stärker als Hass. Spontane Solidaritätsbekundungen vor der französischen Botschaft in Berlin nach dem Anschlag auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo im Januar 2015.

Liebe ist stärker als Hass. Spontane Solidaritätsbekundungen vor der französischen Botschaft in Berlin nach dem Anschlag auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo im Januar 2015. Foto: John MacDougall

Besuchergruppe vor einem Eisenbahnwaggon in Auschwitz-Birkenau Ende Januar 2015. Durch die Langzeitbelichtung wirkt die Szene wie eingefroren.

Besuchergruppe vor einem Eisenbahnwaggon in Auschwitz-Birkenau Ende Januar 2015. Durch die Langzeitbelichtung wirkt die Szene wie eingefroren. Foto: Marc-Steffen Unger

Willkommenskultur. Dankesgeste eines syrischen Flüchtlings bei der Ankunft am Münchner Hauptbahnhof im September 2015.

Willkommenskultur. Dankesgeste eines syrischen Geflüchteten bei der Ankunft am Münchner Hauptbahnhof im September 2015. Foto: Sean Gallup

Den Leica Camera Preis (2. Fotopreis der Rückblende) konnte  John MacDougalll von AFP entgegennehmen, mit dem 3. Fotopreis der Rückblende wurden in diesem Jahr zwei Fotografen ausgezeichnet: Marc-Steffen Unger und Sean Gallup. Mit dem Sonderpreis »Das scharfe Sehen« wurden Paul Langrock und Rolf Vennenbernd geehrt. Der 1. Preis in der Kategorie »Politische Karikatur« wurde an Thomas Plassmann (Frankfurter Rundschau) verliehen.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach blickt bei der Eröffnung des Deutschen Fussballmuseums in Dortmund im Oktober 2015 auf den Endspielball der Fussball-WM 1954. Kurze Zeit später ist er selbst Geschichte…

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach blickt bei der Eröffnung des Deutschen Fussballmuseums in Dortmund im Oktober 2015 auf den Endspielball der Fussball-WM 1954. Kurze Zeit später ist er selbst Geschichte… Foto: Rolf Vennenbernd

Trübe Aussichten bei VW. Zugreisende am Bahnsteig in Wolfsburg fotografieren das nahezu im Nebel verschwundene Banner der Volkswagen AG mit der Aufschrift: »Wir brauchen Transparenz, Offenheit, Energie und Mut. Vor allem aber brauchen wir Euch.«

Trübe Aussichten bei VW. Zugreisende am Bahnsteig in Wolfsburg fotografieren das nahezu im Nebel verschwundene Banner der Volkswagen AG mit der Aufschrift: »Wir brauchen Transparenz, Offenheit, Energie und Mut. Vor allem aber brauchen wir Euch.« Foto: Paul Langrock/Zenit

Die sehenswerte Ausstellung ist noch bis zum 21. Februar 2016 in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin zu sehen. Danach in Trier, Neustadt an der Weinstraße, Bonn, Koblenz, Leipzig, Mainz und Brüssel. Mehr Infos und Fotos aller Teilnehmer unter: http://www.rueckblende.rlp.de