2. Juli bis 6. August 2016

Motiv aus der Ausstellung »Ist doch so«.

Motiv aus der Ausstellung »Ist doch so«. Foto: Frank Schinski / Ostkreuz

Frank Schinski

Ist doch so

»Ist doch so« nennt Frank Schinski seine Einzelausstellung mit mehr als 40 Farbfotografien in der Galerie der Kunststiftung Poll. Der programmatische Titel steht für eine subtile, auf den ersten Blick unspektakuläre Bildsprache, die der Fotograf mit Projekten wie »Weltgericht«, »Transit Stills« oder »Der erste Arbeitstag« entwickelt hat: Weder resignierendes »Ist halt so« angesichts einer zunehmend komplexen und krisenhaften Alltagsrealität, noch allzu selbstgewisser »So ist das!«-Zugriff jener klassischen Reportagefotografie, die mit Schnappschüssen und Schlüsselmomenten alles zu erklären vorgibt. Schinski dagegen, der nach einer Maurerlehre den Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der FH Hannover absolvierte, reflektiert mit seinem Stil die prägende Erfahrung, »dass beim Fotografieren die Welt sich mir erklärt«.

Bereiche, die dem öffentlichen Blick verschlossen bleiben – das Fließband bei VW, die Umkleidekabine eines Fußballvereins oder eine Schauspielergarderobe im Festspielhaus – erkundet der Fotograf als unauffällig teilnehmender Beobachter. Mit der Kamera tastet sich Schinski, von internationalen Magazinen geschätzt als Spezialist für »unsichtbare Themen«, an das Wesentliche alltäglicher Situationen heran: Haltung und Mentalität der zumeist anonymen Protagonisten, aber auch Stimmung und Atmosphäre menschenleerer Räume.

So tritt an die Stelle fortlaufender Bilderzählungen und thematisch abgeschlossener Reportagen der Foto-Essay als work in progress: Einzelbilder, die in formal stringenter Komposition und mit ästhetisch raffiniert gesetzten Farben inszeniert wirken, die damit ihren Status als Fotodokumente dementieren – und eben deshalb den Blick zurücklenken auf eine Realität, die es immer wieder neu zu entdecken gilt. Die Auswahl, die der Fotograf zusammen mit der Kunststiftung Poll getroffen hat, stammt u.a. aus seiner viel beachteten Diplomarbeit »Vom Aufhören«, Autorenaufträgen für »Die Zeit« und freien Projektarbeiten.

Frank Schinski, 1975 in Prenzlau geboren und in einem kleinen Dorf nahe der polnischen Grenze aufgewachsen, ist Mitglied des Fotografenkollektivs Ostkreuz und an dessen Gemeinschaftsausstellungen »24 h Berlin« (Steidl Verlag) oder »Über Grenzen« (Hatje Cantz) beteiligt. Er lebt und arbeitet in Hannover, u.a. für Zeitschriften wie Geo, Stern oder Focus und für Wirtschaftsunternehmen.

Frank Schinski
Ist doch so
2. Juli bis 6. August 2016

Vernissage am 1. Juli 2016, 18 bis 21 Uhr
mit einer Einführung von Jochen L. Stöckmann

Galerie der Kunststiftung Poll
Gipsstraße 3, 10119 Berlin

Öffnungszeiten
Donnerstag bis Sonnabend 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung