Nannen Preis 2017

Sicherheitspersonal beim EU-Gipfeltreffen in Brüssel im Dezember 2015 vor einem Monitor, auf dem Donald Tusk, Präsident des europäischen Rates, während einer Ansprache zu sehen ist. Themen des Gipfels waren unter anderem die europäische Flüchtlingspolitik und der »Brexit«.

Sicherheitspersonal beim EU-Gipfeltreffen in Brüssel im Dezember 2015 vor einem Monitor, auf dem Donald Tusk, Präsident des europäischen Rates, während einer Ansprache zu sehen ist. Themen des Gipfels waren unter anderem die europäische Flüchtlingspolitik und der »Brexit«. Foto: Kaveh Rostamkhani

Kaveh Rostamkhani

Rebordering Europe

Erstmals in der Geschichte des Nannen Preises wurde 2017 eine lobende Erwähnung ausgesprochen. In der Kategorie Foto-Reportage überzeugte das unabhängig produzierte Projekt »Rebordering Europe« des Dokumentarfotografen Kaveh Rostamkhani die Jury, bestehend aus Heico Forster, Christian Irrgang, Rolf Nobel, Julian Röder, Regina Schmeken, Malin Schulz und Barbara Stauss.

Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass Kaveh Rostamkhani Fotografien von Geflüchteten auf ihren Wegen durch Europa mit Einblicken in den Alltag jener Politiker verküpft, die Europas neue Grenzpolitik bestimmen. Durch die Ergänzung eigener Texte gelinge dem 28-Jährigen eine Foto-Reportage von eindrucksvoller Komplexität.

Zwei afghanische Familien versuchen, sich in einem verlassenen Gebäude vor der Kälte zu schützen, während sie an der slowenischen Grenze bei Sentilj auf die Weiterreise nach Österreich warten, November 2015.

Zwei afghanische Familien versuchen, sich in einem verlassenen Gebäude vor der Kälte zu schützen, während sie an der slowenischen Grenze bei Sentilj auf die Weiterreise nach Österreich warten, November 2015. Foto: Kaveh Rostamkhani

»Rebordering Europe« ist ein journalistisches Scroll-Essay, welches die Dynamiken migrantischer Autonomie und die europäische Grenzpolitik zwischen dem langen Sommer der Migration 2015 und dem Frühjahr 2016 erörtert. Das Projekt wurde am 27. Januar 2016 online unter www.rebordering.eu veröffentlicht.

Rostamkhani arbeitet in seinem Projekt mit einem non-linearen fotojournalistischen Ansatz, um die Rückkehr zu nationalstaatlichem Denken und das Wiederaufkommen von Grenzen innerhalb Europas in Verbindung mit der sogenannten »Flüchtlingskrise« aufzuzeigen. Dabei verzichtet er auf visuelle Klischees und sensationalistische, viktimisierende Bilder von Geflüchteten.

Der Nannen Preis, benannt nach Henri Nannen, dem Gründer und langjährigen Herausgeber des Magazins Stern, zeichnet die besten, im jeweiligen Vorjahr veröffentlichten, deutschsprachigen journalistischen Arbeiten in Print, Digital und Fotografie aus. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Journalismuspreise.