5. Oktober bis 26. Oktober 2017

Noch immer trennt in West-Belfast eine Mauer die protestantischen von den katholischen Wohngebieten. Die beiden Mädchen haben ihre Schuluniformen noch nicht abgelegt, als sie ihre beiden Puppen auf der katholischen Seite spazierenfahren. Belfast, Nordirland.

Noch immer trennt in West-Belfast eine Mauer die protestantischen von den katholischen Wohngebieten. Die beiden Mädchen haben ihre Schuluniformen noch nicht abgelegt, als sie ihre beiden Puppen auf der katholischen Seite spazierenfahren. Belfast, Nordirland. Foto: Stefan Enders

Stefan Enders

Weit weg von Brüssel

»Ob ich mich als Europäer fühle? Keine Ahnung – ich bin Schotte.« Stefan Enders ist nicht nur Fotograf und Professor für Fotografie an der Hochschule in Mainz, er ist vor allem glühender Europäer. Im Rahmen eines einjährigen Sabbaticals hat sich Enders aufgemacht, sein ganz persönliches Europa zu entdecken. Und er hat Antworten bekommen wie diese von Charles Harkins.

Niemand ahnte, welche Aktualität das Projekt bekommen würde, als Enders im März 2015 zu seiner Reise aufbrach. Als Fotograf wollte er etwas über die Menschen in der Europäischen Union erzählen. Und zwar nicht dort, wo man alles schon kennt, in den Zentren, sondern in den Rand- und Grenzregionen.

»Seit 10 Monaten habe ich keinen Lohn mehr bekommen. Am Schluss hatten wir nicht einmal mehr Geld für das Essen der Flüchtlinge. Ich frage mich, wohin das viele Geld der EU geflossen ist. Das Ganze ist ein riesiges Geschäft!« – Lella Pennisi, 42, mit ihrem Sohn Okada Buluma, 7, Acireale, Sizilien, Italien.

»Seit 10 Monaten habe ich keinen Lohn mehr bekommen. Am Schluss hatten wir nicht einmal mehr Geld für das Essen der Flüchtlinge. Ich frage mich, wohin das viele Geld der EU geflossen ist. Das Ganze ist ein riesiges Geschäft!« – Lella Pennisi, 42, die als Sozialarbeiterin für eine private Hilfsorganisation Geflüchtete aus Nordafrika betreute, mit ihrem Sohn Okada Buluma, 7, Acireale, Sizilien, Italien. Foto: Stefan Enders

Seine siebenmonatige Reise führte Stefan Enders 31.000 km entlang der gesamten Außengrenzen Europas – von Schottland über Portugal bis zum äußersten Nordosten Skandinaviens. Einmal »rund um die Europäische Union«. Mehr als 200 Menschen hat Enders auf dieser Reise porträtiert.

In seinen intensiven Schwarzweißbildern zollt er dabei allen den gleichen Respekt: dem Fabrikdirektor genauso wie der Arbeiterin, dem Gewerkschaftsboss ebenso wie den Arbeitslosen und den in Europa gestrandeten Gefüchteten. Die Farbaufnahmen betten das Projekt in die aktuelle Situation Europas ein. In dem Buch »Weit weg von Brüssel« wurden die Fotos nun gebündelt – ergänzt durch kurze Texte zu den einzelnen Stationen der Reise und Geschichten der porträtierten Personen.

»Seit Jahrhunderten spüren wir hier die Gefahr, die von Afrika ausgeht! Ich zweifle daran, dass der Frieden erhalten bliebe, wenn die Legión nicht da wäre.« – Brigada Miguel Angel Pascual Villalobos, 51, Spanische Enklave Melilla, Afrika.

»Seit Jahrhunderten spüren wir hier die Gefahr, die von Afrika ausgeht! Ich zweifle daran, dass der Frieden erhalten bliebe, wenn die Legión nicht da wäre.« – Brigada Miguel Angel Pascual Villalobos, 51, Spanische Enklave Melilla, Afrika. Foto: Stefan Enders

Darüber hinaus werden die Bilder vom 5. bis 26. Oktober 2017 in einer gleichnamigen Ausstellung im Gebäude des Europäischen Ausschusses der Regionen und in einer Outdoor-Ausstellung in der Rue Wiertz gegenüber dem Europäischen Parlament in Brüssel gezeigt.

Buchpräsentation und Ausstellungseröffnung am 5. Oktober 2017 um 12 Uhr im Gebäude des Europäischen Ausschusses der Regionen, Rue Belliard 101, 1040 Brüssel.

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Stefan Enders
Weit weg von Brüssel
Edition Lammerhuber, 24 x 29 cm, 336 Seiten, 180 Fotos, Hardcover, Leinen gebunden »French Fold«-Schutzumschlag, ISBN 978-3-903101-24-1, 78,– Euro